In meinen Adern fließt blau-weißes Blut.

31. August 2022|8 Minuten Lesezeit

„Ich bin seit über 35 Jahren bei B.E.S.T., bzw. B&S“, wie die Vorgängerfirma des heutigen Unternehmens damals hieß“, erinnert sich Jürgen Oschmann. Der in diesem Jahr 80 Jahre alt gewordene „Oschi“, wie ihn bei B.E.S.T. jeder nennt, rückt seine Hertha-Cap zurecht und schaut nachdenklich über das Trainingsgelände der Blau-Weißen am Schenckendorffplatz, wo wir uns zum Interview getroffen haben, denn hier im Olympiapark, sowie im nahegelegenen Olympiastadion ist „Oschis“ zweite Heimat, wie er mir im Laufe unseres Gesprächs erzählen wird.

Circa 1992 begann „Oschis“ Geschichte in der Security, den genauen Tag kann er allerdings nicht mehr sagen. „Meine Frau war gestorben, allein zuhause zu sein nach der Arbeit, das brachte den Verlust nur noch stärker zum Ausdruck, also suchte ich mir etwas, womit ich mich nach Dienstschluss weiter beschäftigen konnte“, erinnert sich Jürgen Oschmann an den Beginn der 90er Jahre. Im Hauptberuf war er Polizist: „Da lag es nahe, weiter in der Sicherheit zu arbeiten, ich war quasi vom Fach“. So sorgte „Oschi“ im Schichtdienst bei der Polizei für Sicherheit in Berlin und nach Dienstschluss bewachte er bei B.E.S.T. alles was es zu tun gab: „Ich habe mich nie beschwert, habe am Anfang wirklich alles gemacht, war immer da, immer pünktlich, immer verantwortungsbewusst – bis heute“, kramt Oschi in seinen Erinnerungen. „Mit 60 ging ich dann bei der Polizei in Pension und fortan wurde B.E.S.T. zum Hauptinhalt meines Lebens. Wir waren wie eine große Familie und ich konnte meine Leidenschaft, den Sport, und da ganz besonders meine Hertha, mit dem Job perfekt verbinden. Besser noch: Meine Tätigkeit gewährte mir Einblicke, die ich als Fan und Zuschauer nie gehabt hätte“.

Auf die Frage nach seinem persönlichen Highlight muss „Oschi“ nicht lange überlegen: „Das war die WM 2006 – ein absoluter Traum. Ich war zunächst als Einsatzleiter im Bereich Stadion im Einsatz und zum Finale dann unten im Spielerbereich. Das war die Krönung von unfassbar berauschenden vier Wochen WM in Deutschland.“

Mit andauernder Betriebszugehörigkeit veränderten sich „Oschis“ Einsätze: „Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich mir auch vorstellen könnte, in schwarz / weiß zu arbeiten. Das konnte ich und so spezialisierte ich mich immer mehr auf die VIP Bereiche. Ich wurde zum Gruppenleiter in den VIP Bereichen bei den Heimspielen meiner Hertha, bewachte das VIP Zelt beim Berlin Marathon, um nur einige wiederschöne Beispiele zu nennen.“ Die Liebe zu „seinem“ Club Hertha BSC ist immer wieder Thema: „In meinen Adern fließt blau-weißes Blut“. Mit dieser Aussage bringt „Oschi“ alles auf den Punkt und so verwundert es nicht, dass er quasi immer im Einsatz ist, wenn es um die Hertha geht: ob bei den Bundesliga-Spielen, den Spiele der U23, aber auch bei nahezu jedem Training der Profis auf dem Schenckendorffplatz. „Oschi“ passt auf, dass alles geordnet abläuft. „Im Vordergrund steht für mich die Freude an der Arbeit, daran Menschen zu treffen, kennenzulernen und in einem großartigen Team zu arbeiten. Ist das nicht mehr gegeben, höre ich auf“, erklärt der 80Jährige auf unsere Frage, wie lange er den Job noch machen möchte.

Und was macht Jürgen Oschmann, wenn er nicht mit gelber, orangener Weste oder im Anzug für B.E.S.T. auf seinem Posten steht? „Ich habe vier Kinder, Enkel und einen Urenkel und ich habe vor 12 Jahren noch einmal geheiratet“, verrät er mir lächelnd, „und wir haben ein Haus in Thailand, der Heimat meiner Frau und dort verbringe ich im Januar / Februar den deutschen Winter und wir besuchen die Familie, aber auch für mindestens zwei Wochen Strandurlaub muss Zeit sein“.

Die Entspannung, die er zudem bei Unternehmungen mit dem jüngsten Familienmitglied, Urenkel Joha, drei Monate alt, findet, hat also doch Platz in „Oschis“ Leben. „Ich bin auch gerne zuhause, kümmere mich um den Haushalt, denn meine Frau ist noch voll berufstätig, aber allein das, wäre mir nach wie vor zu wenig“, beschreibt „Oschi“ uns seinen Alltag. Seine Vitalität und Frische schwingt in jedem Satz mit. Wir fragen ihn, ob das denn schon sein ganzes Leben so war, dass er neben Arbeit und Familie weitere Herausforderungen brauchte. Und die Antwort überrascht nicht: „Natürlich, ich liebe schon mein ganzes Leben lang den Sport. Nicht nur Fußball, auch Handball, Volleyball und Eishockey begeistern mich, aber engagiert habe ich mich im Fußball“. Ich war Trainer bei Hertha 03 Zehlendorf und einer meiner Schützlinge war sogar Nationalspieler Christian Ziege (Anm. der Redaktion 1985-1990 bei Hertha 03 Zehlendorf, 1990-1997 Bayern München, 1993-2004 deutscher Nationalspieler). Ich habe ihn trainiert bis er 1990 zu Bayern München wechselte und auch danach ist der Kontakt zu ihm nie angebrochen. Ich habe ihn in München besucht, er lud mich zu den Spielen der Bayern ein, natürlich entwickelte ich dadurch auch eine gewisse Sympathie zum Rekordmeister. Auch als er später in Italien spielte, besuchte ich ihn, war bei seiner Hochzeit. Als er dann in Thailand als Trainer gearbeitet hat, überraschte ich ihn dort mit meinem Besuch während eines unserer langen Aufenthalte bei der Familie meiner Frau. Christian traute seinen Augen nicht, als er mich auf dem Trainingsplatz in Thailand erblickte“, erzählt „Oschi“ begeistert. Ganz gefangen von dieser außergewöhnlichen Geschichte fragen wir nach, ob der Kontakt weiterhin besteht. „Der Kontakt ist bis heute nie abgerissen, aber natürlich weniger geworden. Christian lebt jetzt in Österreich, das ist weit“, bedauert der ehemalige Trainer die Entwicklung ein wenig.

Zum Abschluss unseres Gesprächs im Schatten der Bäume rund um den Schenckendorffplatz sind wir wieder bei B.E.S.T. Über 30 Jahre sind eine unfassbare Zeit. Was hat sich bei B.E.S.T. in dieser Zeit verändert? Jürgen Oschmann schweigt lange und blickt über das Hertha-Gelände, dann meint er leise: „Eigentlich alles. Die Firma ist inzwischen gewachsen. Früher waren wir alle eine große Familie und jeder kannte jeden. Das ist bei der aktuellen Größe der Firma natürlich nicht mehr möglich. Aber in den Teams, die zusammenarbeiten, gibt es die Herzlichkeit und das Zusammengehörigkeitsgefühl immer noch. Und meine Arbeit ist nach wie vor spannend und macht mir Freude und solange das noch so ist, bleibe ich dabei.

Von Corinna Höptner